Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung, Standort Potsdam

Die Forschungsstelle Potsdam ist eine Einrichtung des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung (AWI) mit Hauptsitz in Bremerhaven und weiteren marinbiologisch arbeitenden Außenstellen auf Sylt (Wattenmeer-Station Sylt) und Helgoland (Biologische Anstalt Helgoland). Das AWI ist Mitglied der Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren und widmet sich innerhalb des Helmholtz-Verbunds mit seinen multidisziplinären Ansätzen den programmatischen Schwerpunkten Meeres- und Polarforschung. Mit modernsten Messtechniken und Methoden werden wichtige Prozesse in der Atmo-, Hydro-, Kryo-, Bio- und Geosphäre analysiert und mathematische Modelle zur Entwicklung unserer Lebensgrundlagen bereit gestellt. Eine wichtige Mission ist der Erkenntnisgewinn zum Verständnis der natürlichen und anthropogen bedingten Veränderungen in den polaren Regionen der Erde, die Schlüsselgebiete des globalen Klima- und Umweltwandels darstellen. Das AWI Potsdam befasst sich seit 1992 speziell mit klimarelevanten Prozessen in den festländischen Periglazialräumen und in der polaren Atmosphäre der Arktis und Antarktis.

Klima und Umweltveränderungen zeigen sich zur Zeit besonders dramatisch in den von Permafrost beherrschten Periglazialgebieten der Erde. Die Sektion Periglazialforschung befasst sich: (1) mit der geologischen Rekonstruktion der periglazialen Geoökosysteme während der letzten 200-Tausend Jahre, die Hinweise zur zeitlichen Variabilität des Landschaftswandels, der Vegetationsdynamik und zum Kohlenstoffhaushalt liefert; und (2) mit der Erfassung und Bewertung der heutigen Umweltänderungen in den Periglazialgebieten. Wichtige Aspekte sind die fernerkundliche Erfassung des Landschaftswandels, die Quantifizierung der Materialabfuhr durch arktische Flüsse und Küstenabtrag sowie die Erfassung der Freisetzung klimarelevanter Spurengase wie Methan und CO2 durch mikrobiologische und energetische Prozesse im Permafrostboden. Seit 1998 wird im Lena-Delta (Nordost-Sibirien) gemeinsam mit dem Lena-Delta-Reservat die Russisch-Deutsche Forschungsstation Samoylov als Basis für geowissenschaftliche und mikrobiologische Prozessstudien, meterologische Beobachtungen und Langzeituntersuchungen zu lokalen Spurengas- und Energieflüssen aus dem Permafrostboden betrieben. Weitere Arbeitsgebiete konzentrieren sich auf die nordamerikanische Arktisküste und das Tibet-Plateau, dem dritten Pol der Erde.

Die polare Atmosphäre ist ein sensibles Frühwarnsystem für globale Klima- und Umweltveränderungen. Die beobachteten Änderungen reflektieren einerseits natürliche Schwankungen und werden andererseits durch eine starke anthropogene Komponente geprägt. Schwerpunkte der Atmosphärenforschung sind: (1) Arktisches Klimasystem: Atmosphärische Messungen und Modellierung physikalischer Prozesse mit regionalen und globalen Klimamodellen; (2) Aerosole, z. B. arktischer Dunst und vulkanisches Aerosol, und Wolken in der Arktis: Messungen von Polarstationen und Flugzeugen aus, Bestimmung der klimarelevanten Strahlungseigenschaften; (3) Variationen des stratosphärischen Ozons: Messungen durch Ballonsonden, Bestimmung des chemischen Ozonabbaus und Modellierung der zugrunde liegenden chemischen Reaktionen. Die AWI-Forschungsstelle Potsdam koordiniert das Programm der deutsch-französischen Arktis-Station AWIPEV in Ny-Ålesund auf Spitzbergen. Dort steht ein umfangreiches Instrumentarium zur Messung meteorologischer sowie atmosphären-physikalischer und chemischer Parameter zur Verfügung, mit denen u. a. Prozesse in der arktischen Ozonschicht und die Klimawirksamkeit troposphärischer Aerosole untersucht werden.

Hauptsitz
Stiftung Alfred-Wegener-Institut
für Polar- und Meeresforschung
in der Helmholtz-Gemeinschaft
Am Handelshafen 12
27570 Bremerhaven

www.awi.de